Les Cyranos - musique d'un autre monde

„Ihrer Kunstgriffe füglich sich bedienet“

Musik deutscher Komponisten des 17. Jahrhunderts

 

Während des 17. Jahrhunderts wurde der Mensch mobiler. Neugierde und Forscherdrang führten so manche Zeitgenossen in ferne Länder. So reiste unter anderen auch Johann Philipp Krieger nach Italien, um dort u.a. bei Francesco Cavalli und dem in Venedig lebenden Landsmann Johann Rosenmüller den italienischen Stil zu erlernen. Mancher Fürst sandte die bei ihm im Dienste stehenden Musiker nach Frankreich oder Italien, um dort den neuesten Stil zu erlernen, und damit dem eigenen Hof Glanz und Weltläufigkeit zu verleihen. Einige Musiker haben sich auch auf lange Zeit in die Fremde begeben. So auch Gottfried Finger, der etwa 13 Jahre in England lebte und Johann Rosenmüller, der rund 30 Jahre in Italien zubrachte. Zunehmend brachten die Reisenden ihre Erlebnisse zu Papier. Aus solchen Beschreibungen, aus mitgebrachten Artefakten, Naturalia, Kuriositäten und Musikalien schufen sich die Daheimgebliebenen selbst ein Bild von der Fremde und den Fremden. Auf diese Weise konnten Musizierende, ohne auf Reisen zu gehen, sich auch im Studium zu Hause die Stile anderer Völker aneignen. Dazu schrieb Philipp Heinrich Erlebach (1657–1714), fürstlicher Hofkapellmeister zu Rudolstadt, in der Vorrede zu seinen „VI. |OUVERTURES, | Begleitet | mit ihren darzu schicklichen | AIRS, | nach | Französischer Art | und | Manier“ (Nürnberg 1693): „daß / gleich wie man in denen Reise=Beschreibungen und Land=Karten die Sitten und Landschafften fremder Völcker erlernen; also auch durch fleissige Durchgehung / Anhörung / Ubung und Erwegung der von ihnen in jeder Kunst uns mitgetheilten Sachen / in ihre sonderbare Manier eindringen / ihre Kunst=Griffe ihnen absehen / und derselbigen nachgehends füglich sich bedienen kan.“

Für die Wertschätzung dieser Errungenschaften, der fremden Stilmittel, der anderen Weltsicht, der unterschiedlichen Kunstauffassung steht die Aussage François Couperins im Vorwort zu „Les goûts-réünis ou nouveaux concerts“, 1724”: „... ich habe stets die Sachen geschätzt, die es verdienten, ohne Ansehen des Verfassers noch der Nation“

 

Musik u.a. von: Philipp Heinrich Erlebach, Johann Philipp Krieger, Johann Rosenmüller, Johann Paul Westhoff

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